04.04.2015 - Old Mutual Two Oceans Marathon in Kapstadt/Südafrika - Bericht von Michael Wank

Two Ocean Ultramarathon in Südafrika

BILDSchuld ist ja der Frank! Hätte er sich nicht vor 4 Jahren in den Kopf gesetzt, einmal im Leben den Two Ocean Ultramarathon in Kapstadt zu laufen, wäre ich womöglich nie zu dieser Erfahrung gekommen. Im letzten Jahr konkret besprochen und dann gebucht befanden wir uns eine Woche vor Ostern auf dem langen Flug nach Südafrika, dem Land der teilweise extremen Gegensätze. Schwarz und Weiß, Arm und Reich, traumhaft Schönes und erschreckendes Elend, Linksverkehr und rechts im Auto sitzen. Auch wenn die Zeiten der Apartheid längst vorbei sind, ändert sich Vieles nur im Schneckentempo. Wie in jedem Land, wenn die Machthaber falsche Entscheidungen zugunsten von Minderheiten fällen und Reichtümer nur in eine Richtung umverteilt werden, während ein großer Rest, ausnahmslos Schwarze, unter unvorstellbarer Bedingungen lebt. BILD

Immerhin spricht und packt man, seit Nelson Mandela das Land befreit hat, die Dinge offen an, ohne Verwendung dieser unsäglichen „politisch korrekten“ Formulierungen. Dabei bietet dieses Land traumhafte Bedingungen für allgegenwärtigen Wohlstand. Ein Besuch in einem Township erweitert den persönlichen Horizont gleich um Welten. Offene, freundliche Gesichter und unbefangenes Lachen zeugen von Hoffnung, unterschlagen aber auch nicht die Probleme, mit denen das Land zu kämpfen hat, namentlich Arbeitslosigkeit, Kriminalität und AIDS. Doch dies soll kein politisches oder soziales Statement werden, denn dafür waren die zwei Wochen Aufenthalt sicher zu wenig, um sich ein umfassendes Urteil zu bilden.

BILD Am Ende muss einmal mehr der Sport Brücken schlagen. Wenn morgens um 6:00 Uhr im Startblock mehr als 10.000 Läufer jeglicher Herkunft, Hautfarbe und sozialer Stellung gemeinsam das bekannte südafrikanische Lied „Shosholoza“ inbrünstig singen oder dem Gesang lauschen, läuft einem ein Schauer den Rücken hinunter. Sie alle verfolgen das gleiche Ziel: Den selbsternannten „schönsten Marathon der Welt“ nach 56 km in weniger als 7 Stunden zu finishen. Nur leider musste der schönste Streckenabschnitt, der Chapman’s Peak Drive, aufgrund der verheerenden Waldbrände der letzten Wochen und der damit verbundenen Steinschlaggefahr berechtigterweise gesperrt werden. An dieser Schleife bis kurz vor dem Kap der guten Hoffnung, an dem sich(geographisch längst widerlegt) der Indische mit dem Atlantischen Ozean verbindet, hatten wir uns zuvor anlässlich eines Besuch des Kaps selbst ein Bild der Zustände gemacht und waren geschlossen traurig darüber, dass wir stattdessen einen 8 km langen Anstieg gefolgt von einem 4 km dauernden Abstieg laufen mussten, der nur einen geringen Sightseeing- Faktor aufweist.


BILD

Während uns das Wetter über zwei Wochen nur mit Sonne verwöhnte, trübte sich der Himmel am Renntag leider ein und bescherte uns läuferfreundliche 14-18 Grad, böigen Wind und zu Beginn auch leichten Nieselregen. Die ersten 12 km führen einen raus aus Kapstadt durch Wohn- und Gewerbegebiete, bevor es in die offene Landschaft ans Meer ging. Gemeinsam mit Grit und Stephan verliefen die ersten 21 km relativ ereignislos, bevor es ab km 25 auf den vorgenannten Anstieg ging. Wegen eines kurzen Dixie-Stopps ließ ich die Beiden laufen und machte mich erleichtert an den nicht allzu steilen Anstieg und stellte mit Überraschung fest, dass sich die meisten Mitläufer doch arg an diesem Berg abmühten. Auf dem Abstieg machten sich meine seit Monaten anhaltenden Beschwerden wieder deutlich bemerkbar, die mir auch eine angemessene Vorbereitung unmöglich machten. Kenner der Langlaufszene wissen, dass weniger als 300 Trainingskilometer seit Jahresbeginn nicht wirklich reichen, um sich optimal vorzubereiten, aber den Lauf wollte ich mir unter keinen Umständen entgehen lassen. Bergab lief ich teilweise langsamer als hoch, aber ich lief. Unten angekommen begrüßten uns erstmals die Fans unserer Reisegruppe und auch Stephan und Grit befanden sich darunter.


BILD





Nun wurde es landschaftlich deutlich attraktiver. Wir durchquerten schöne Villenviertel und die Strecke wurde immer wieder eingerahmt von einem beeindruckenden Bergpanorama. Die Menschen am Rand munterten einen beständig auf und wir durchliefen die Marathonmarke beinahe beiläufig nach 4:10 h. An den Verpflegungsständen wurde Wasser in eingeschweißten 100 ml Plastikbeutel gereicht, was sich als extrem praktisch erwies. Man konnte diese Beutel gut in den Händen transportieren, durch einen kurzen Biss öffnen und sehr gut daraus trinken. Weit besser als die üblichen Trinkbecher und offenbar auch praktischer in der Entsorgung, denn die leeren Tüten wurden umgehend aufgesammelt und in Mülltonnen geworfen.


BILD






Da der letzte Streckenabschnitt noch einige Anstiege bereithielt, wurde es ab km 45 doch ziemlich anstrengend. Bergab bin ich teilweise gegangen doch bergauf lief es weiterhin erstaunlich gut. Wir erreichten Kirstenbosch mit seinem schönen Botanischen Garten und nach fast exakt 5 Stunden passierten wir auch die 50 km Markierung. Mit schweren Beinen ging es 3 km vor dem Ziel auf den letzten Anstieg und schließlich erreichten wir bei mittlerweile leichtem Sonnenschein gemeinsam den Zieleinlauf auf dem Universitätsgelände in Kapstadt. Es herrschte eine unglaubliche Atmosphäre im Zielkanal, tausende Zuschauer riefen unsere Namen. Nach 5:38h war das Abenteuer Two Ocean Marathon beendet und wir nahmen erschöpft (nun ja, Stephan war gerade warmgelaufen…) aber freudig unsere Medaillen entgegen. Frank, der „Urheber“ unserer Reise, erreichte nach 6:20 h ebenfalls deutlich unter dem Cut das Ziel und erfüllte sich seinen großen Traum von diesem Lauf.





Im Zelt trafen wir die Mitläufer unserer Reisegruppe, die nach und nach ebenfalls glücklich das Ziel erreichten. Erschütternd ist jedoch der Anblick der Läufer, die das Ziel nur wenige Sekunden nach dem 7-Stunden-Cut-Off sehenden Auges nicht erreichen und enttäuscht auf eine Finishermedaille verzichten müssen. Auch ein Läuferleben hält bisweilen grausame Momente bereit. Der Sieg ging in 3:10 h an einen Läufer aus Lesotho, die südafrikanische Siegerin benötigte 3:40h und war damit schlappe 71 Minuten schneller als bei ihrer letzten Teilnahme…alles mit sauberen Dingen, selbstverständlich.

War es nun der schönste Marathon? Zweifel bleiben, denn es fehlte der Kick der Originalroute. Vielleicht muss ich einen erneuten Anlauf wagen, lohnen würde es sich in jedem Fall, wenn man die Tage vor und nach dem Lauf hinzuzieht, in denen wir die Gelegenheit hatten, dieses wunderschöne Land, seine Menschen und vor allem die faszinierenden Tiere kennenzulernen.

BILD

Nach oben